"Damals", bei meinem ersten "Coming-Out" als Vegetarier, lief die Sache ja noch recht glatt ab. Klar, manche rissen Witze, einige fühlten sich zu provokativen Einschüben genötigt. Mutter und Vater (vor allem Vater) brauchten ein halbes Jahr, bis sie einsahen, dass ich mich zu Fleisch nicht mehr überreden lasse... Aber immerhin, ich erfuhr auch einiges an Verständnis und Zuspruch. Die vegetarischen Vorreiter hatten für mich den Weg geebnet.
So schritt ich nun nichtsahnend und frohen Mutes zur Bekanntmachung meiner jüngsten Ernährungsumstellung. Und leide nun an einem kleineren Schock :D Hier mal eine Hitparade der Reaktionen auf meine Ankündigung "Ich bin jetzt Veganer":
- Extrem ausgedehntes Naserümpfen, gefolgt von sorgenvollem Schweigen. Das "Ist sie irre?" kommt
"nur" über den Blick.
- "Du spinnsch", in Urteilverkündungs-Ton, wildes Kopfschütteln
- Starres Behaupten man bräuchte Milchprodukte um gesund zu sein. Grosse Sorge, es würde
meiner Gesundheit schaden (dabei deuten ja viele wissenschaftliche Studien genau auf das
Gegenteil hin, bloss scheint das niemand zu wissen).
- Relativ wütendes "Jetzt hat's Dir aber komplett ins Hirn geschneit" (Sowas getrauen sich wohl nur die
sehr nahestehenden zu sagen :D)
- Sorgen wegen Vitamin-Mangel und Gesundheitsschädigungen (B12-Mangel gemeint; worunter
auch haufenweise Omnivoren leiden).
- Sorgen, dass ich an einer Zwangsstörung Namens Orthorexia nervosa leiden und bald
verhungern könnte.
Naja, ich nahm es mit einer grossen Portion Coolness und Humor :D Andererseits ist es aber natürlich nicht zum Lachen. Nein. Was müssen Leute durchmachen, die noch pikantere Themen als "Ernährungsumstellung" ansprechen müssen..., überlegte ich. Und: Warum sind die Informationen über die wissenschaftlich belegte und überhaupt nicht geringfügige Schädlichkeit von Milchprodukten/tierischen Eiweissen nicht weitläufig bekannt? Warum soll es so schwierig sein, auf Milch zu verzichten? Die Argumente der Veganer werden unter anderem als Weichlings-Geschwätz und irres Esoterik-Gefasel abgetan und ich werde ein bisschen in die "Spinner"-Ecke abgedrängt. Mächtige Gehirnwäsche. Ansonsten steht man allein auf weiter Flur. Naja, jetzt bin ich mal auf der Vorreiter-Seite und gebe mir Mühe, den Weg für zukünftige Veganer mitebnen zu helfen.
Eine echte Hilfe - wenn nicht gar unverzichtbar - ist die vegane Community im Internet. "Diese Gruppe tut einfach gut, weil man sich bei den Leuten hier nicht vorkommt, als wäre man ein Alien!" sagte neulich einer in der veganen Facebook-Gruppe :D Wie recht er hat. Ausserdem wimmelt's dort nur so vor Rezepten, die einem helfen, lecker und befriedigend zu speisen. Ich bin überzeugt, dass die vegane Küche, nebst den Tier-Fairness-, Umweltschutz-, Welthungerproblem- und den gesundheitlichen Argumenten, auch Gourmet-technisch das Zeug zur neuen Trendküche hat. Die Gerichte, die ich bis jetzt probiert habe, schmecken grösstenteils und überraschenderweise so lecker, dass sogar mein Freund jetzt - ungeplant - Veganer geworden ist :D
Nichtsdestotrotz hab ich mich entschlossen, in ein paar Monaten mal meinen ersten Vitamin B12-Test zu machen. Danach wahrscheinlich weitere, in regelmässigen Abständen. Dies wäre ja das einzige vom Menschen benötigte Vitamin, das nicht via veganer Kost aufgenommen werden kann, und bei Mangel zu schlimmen Schäden führt. Dann müsste ich halt noch 'ne B12-Ernährungsergänzungs-Pille nehmen. Interessant wäre es auch, mal meine übrige Vitamin- und Mineralstoff-Skala zu testen. Die sollte jetzt eigentlich ziemlich perfekt sein, denn so viel frisch zubereitetes Gemüse, Getreide, Früchte, Nüsse und Sprossen hab ich "meiner Lebtags" noch nie gegessen :D Muttern kann doch zufrieden sein mit mir *find*
danke für diese Zeilen....mir gehts genauso!
AntwortenLöschenAnke
Ich fürchte, das geht allen Veganern so *seufz*
AntwortenLöschenIn manchen Momenten kann ich mich einfach des Gefühls nicht erwehren: Es liegt doch alles bloss an mir selbst... Wollte den Text jetzt grad löschen kommen deswegen *lach* Eure Kommentare beruhigen mich jetzt aber wieder :) Danke! :)
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