Sonntag, 3. Juni 2012

Tierische Beleidigungen = urtümlich-weibliche Heiligkeitssymbole?


Wer sich nur ein wenig mit den „untergegangenen“ Kulturen unserer Heimat und auch den internationalen beschäftigt, der findet bald heraus, dass praktisch alle Symbole, die VOR den patriarchal-monotheistischen Glaubenskonzepten als heilig galten, bis zum heutigen Zeitpunkt systematisch in ihr Gegenteil verkehrt wurden. Auch Symbole und Glaubenskonstrukte, die viel mit der weiblichen Seite der Realität zu tun hatten, mit weiblicher Macht, wurden je länger je mehr ausgemerzt.

Ich habe hier mal einen groben Überblick zusammengestellt, bestehend aus Links mit detaillierteren Ideen von anderen Leuten und kleinen Notizen von mir. Da ich kein wandelndes Lexikon bin, ist die Sache natürlich höchst unvollständig. Ich behaupte auch nicht, dass alles lupenrein stimmt. Aber ich denke von der Richtung her bin ich nicht ganz so schief... :D Ihr dürft gerne korrigieren oder dran weiterspinnen:

Kuh 
Anhand der Indischen Bevölkerung können wir heute noch sehen, was es bedeutet, wenn ein Tier als heilig betrachtet wird. Die Menschen dort haben höchsten Respekt vor diesem Tier. Eine Kuh zu töten kommt gar nicht in Frage, sie bedeutet die Basis des Lebens. Der Grossteil der Bevölkerung lebte (/lebt immer noch... ich weiss nicht wie die Sache heute aussieht) vegetarisch.
In der Schöpfungsgeschichte der Germanen war die Kuh Audhumla das erste aller Tiere auf der Welt.
Nebst unendlich vielen anderen möglichen Deutungen ist sie für mich Ruhe und Frieden, Mütterlichkeit, Kraft und Grösse, Quelle.


Wie wir im ersten Link sehen, gibt es haufenweise alte Sagen über Göttinnen weltweit, die von einem Schwein begleitet werden. Auch in der deutschsprachigen Region (Freya).
Schweine sind von Natur aus höchst saubere Tiere, nur Menschen halten sie unter Bedingungen, die sie sich niemals selbst aussuchen würden. Der Permakultur-Bauer Sepp Holzer beschreibt die natürlichen Erdställe der Schweine als so sauber, dass er selber dort gerne drin schlafen würde. Heute denken wir Schweine seien schmutzig und würden gerne in ihren eigenen Fäkalien wohnen... Für die von Natur aus sauberen Schweine sind die heutigen Lebensbedingungen aber ein Horror... Von ihrem Sauberkeitsstandard her kann man sie mit dem von Menschen vergleichen.
Für mich bedeuten Schweine inzwischen: Sauberkeit, Glück, Intelligenz.

Schlange
Mir scheinen die Deutungen Wandlung, Weisheit, Medizin passend. Spirale, DNS. Sie gilt als mystisches und magisches Tier. Ich lese gerade beim Googeln, dass diese häufig auch mit dem Drachen gleichgesetzt werden.
Bei den Indern hat sie als Kundalini-Schlange noch viel mit Lebenskraft und Mystik zu tun. Verwandlung, wegen der Häutung.
In Wiki steht, dass die Schlange auch mit der Planetenmutter selbst in Verbindung gebracht wird:
„...Ebenso wurde der Schlange Hellsichtigkeit nachgesagt, weshalb sie eines der Tiere der Göttin Gaia war. Laut Hesiod war Gaia Pelope einer der vielen Namen der Erdgöttin Gaia. Im Orakel von Delphi taten Schlangenpriesterinnen (Pythea) ihren Dienst. Nicht nur in der jüdisch-christlichen Tradition gab es einen von einer Schlange bewachten Baum: In der altgriechischen Vorstellung stand im Garten der Hesperiden der lebensspendende Apfelbaum, der der Göttin Hera von Gaia geschenkt worden war und von der Schlange Ladon bewacht wurde.“
Medusa. War sie wirklich eine Horrorgestalt oder war dieser Bericht vielleicht auch von männlichen Autoren verzerrt?
Der hier hat auch noch überlebt in unserer Kultur: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84skulapstab
Die Bibel hat dann aber endgültig alles Böse auf die Schlange geschoben.

Drache
Grosse, uralte Macht aus der Natur, Weltenschlange, siehe Schlange.

Hyäne
Wie ich mal in einer Doku sah, sind Hyänen matriarchal organisiert und haben ein höchst soziales Gesellschafts-System, das die Schwachen schützt. Für mich eines der ultimativen Feminismus-Tiere :)

Gans
Indische Göttin Saraswati ist unterwegs mit Gans. Juno alias Moneta mit vielen Gänsen. Aphrodite auch, sagt Google.


Hier einer meiner Lieblinge. Zwar kein Tier aber auch ein Fluchwort und als Intro für das weiter unten stehende Tier:
die Hexe
abgeleitet von Hägse > Hagazusse > Zaunreiterin > die auf dem Grat wandert. Eins der wenigen Worte, die in der Grundform schon weiblich sind. Weise Frau, spricht mit Tieren, sieht klar, hört heller, weiss viel. Wirkt, zaubert, weiss mit den Kräften der Natur freundschaftlich umzugehen. Archetyp der natürlich-weiblich erfolgreichen Managerin? :D

Krähe/Rabe 
treue Begleiter der Hexe natürlich :) Gelten als intelligente Tiere, ihrem Partner treu bis ans Lebensende, kümmern sich liebevoll um ihre Kinder. Bewachen den Luftraum. Wer einmal einer Krähe was zuleide getan hat, kann damit rechnen, dass die Krähen das noch über Generationen wissen werden. Sie warnen sich auch gegenseitig vor solch schlechten Menschen.



Da sag ich einfach nur: Määäääääääääh!

Meine Variante eines Fazits: Wenn ich mich ob diesen und ähnlichen Worten beleidigt fühle, unterstütze ich die patriarchal-verdrehte Bedeutung.
Aus feministischer Sicht sind wir wohl eher richtig auf dem Kuh-/Sau- und Schlangenweg...

Ich bin dran, mich in diesem Sinne mit den urtümlich-weiblich-tierischen Vorbildern zu beschäftigen. Doch wie können die animalischen Kräfte einem Freund und Verbündeter sein, wenn in der Gegenwart fast alle der Tiere auf's massloseste ausgebeutet werden. Wir töten die Begleiterinnen der Göttinnen ohne es zu hinterfragen.
Für mich heisst es daher seit über einem Jahr: Vegetarierin/Veganerin
Und nebst diesem spirituellen Aspekt boykottiere ich so auch noch grad die Ausbeutungs- und Umweltzerstörungs-Kultur. Boykottiere die von Männern kontrollierte Fleisch- und Milch-Mafia. Asoziale Verteilung der Ernährung. Ich verweigere einem patriarchalen System der Ausbeutung den von mir her kommenden Geldstrahl.
Die Göttinnen antworteten sofort und wirkten: ich bin mit pflanzlicher Kost körperlich und mental energievoller und gesünder als vorher :)

Ich wünsche allen ein freundschaftliches Verhältnis mit ihren animalischen Ur-Kräften :)